Selbsthilfe

Missbrauch Münster

Aktuelles

14.10.2020


Verwiesen sei auch auf das aktuellen Heft der Mitgliederzeitschrift "Forum Opferhilfe" des "Weißen Rings".

Im Themenschwerpunkt des Heftes berichten drei Betroffene aus dem Bistum Münster unter dem Titel "Das Schweigen der Gemeinden" ihre "Geschichten vom Schweigen, Reden und Kämpfen".

Es bleibt die Hoffnung, dass Leserinnen und Leser des Heftes annähernd nachvollziehen können, dass der sexuelle Missbrauch mit dem Ende der eigentlichen Taten für die Opfer nicht abgeschlossen ist, sondern diese Betroffenen ein Leben lang mit mehr oder weniger schweren Traumatisierungen begleitet. Ob diese lebenslangen Folgen mit den geplanten Zahlungen zur "Anerkennung des Leids" (s.u.) hinreichend abgegolten sind, mag jeder für sich entscheiden.

https://weisser-ring.de/system/files/domains/weisser_ring_dev/downloads/wer20004forumopferhilfe03200817web.pdf


Dass diese Ereignisse die damals Verantwortlichen im Bistum offensichtlich deutlich weniger belastet, für sie auch ohne Konsequenzen bleibt, macht insbesondere der Artikel in den Westfälischen Nachrichten vom vergangenen Jahr deutlich.

https://www.wn.de/Muensterland/4021529-Umgang-mit-sexuellem-Missbrauch-Ex-Generalvikar-Werner-Thissen-raeumt-schwere-Fehler-ein



14.10.2020

Am 8. und 9. Oktober 2020 gab es eine Tagung in Bonn zum Thema „Die Kirche und der sexuelle Missbrauch“ mit dem Titel „Katholische Dunkelräume“.

https://www.kfzg.de/

Für uns Betroffene aus dem Bistum waren vor allem die Beiträge von Frau Wijlens und den Wissenschaftlern aus der Forschungsgruppe von Herrn Großbölting von Interesse.

Frau Wijlens, die als Kirchenrechtlerin sich seit mehr als 35 Jahren mit dem Phänomen des Missbrauchs weltweit beschäftigt,  machte in ihrem Vortrag eindrucksvoll darauf aufmerksam, dass das Kirchenrecht nach wie vor den Missbrauch nicht als Verbrechen gegen die Menschenwürde von Kindern ahndet, sondern diese Taten als Vergehen gegen die Einhaltung des Zölibats ansieht. (Die einseitige Orientierung an den Tätern bzw. der Institution zeigt sich auch im Interview mit Herrn Thissen aus dem letzten Jahr).

Frau  Wijlens forderte eindringlich einen Perspektivwechsel in der Missbrauchsbekämpfung. Besonders betroffen machten ihre mehrfachen Hinweise auf engagierte Mitarbeiter in den verschiedenen Arbeitsgruppen, die einige Zeit später selbst als Missbrauchstäter bekannt wurden.

https://neuesruhrwort.de/2020/10/08/perspektivwechsel-bei-missbrauchsbekaempfung-gefordert/

https://www.wn.de/Muensterland/4021529-Umgang-mit-sexuellem-Missbrauch-Ex-Generalvikar-Werner-Thissen-raeumt-schwere-Fehler-ein


Herr Großbölting beklagte vor allem die Hindernisse, die es aktuell bei der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen gibt. Täter und Verantwortliche in den Bistümern wehren sich gegen die Veröffentlichung ihrer Namen, indem sie sich auf den Schutz des Persönlichkeitsrechts berufen (München, Limburg, Köln).

Darüber hinaus war für uns Betroffene aus dem Bistum Münster vor allem der Bericht über die Untersuchungen im Bistum Münster von Interesse, die an zwei Fallbeispielen verdeutlicht wurden.


Das dicht gedrängte Programm mit unterschiedlichen Schwerpunkten zeigte eindrucksvoll, dass sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche kein individuelles Geschehen ist, sondern vor allem auch systemische Ursachen hat. Zur Aufklärung des sexuellen Missbrauchs müssen also zwangläufig auch die hierarchischen bzw. machtpolitischen Strukturen in der Kirche sowie die unterschiedlichen Rechtssysteme (staatleiches Recht / Kirchenrecht) betrachtet werden. Es müssen auch die Verantwortlichkeiten einbezogen werden, die sich aus den zahlreichen Versetzungen von (bereits bekannten) Tätern ergeben. Matthias Katsch sprach als Betroffenenvertreter von „organisierter Verantwortungslosigkeit“ in den Kirchenleitungen.

https://www.kfzg.de/fileadmin/user_upload/downloads/tg-katholische-dunkelraeume-pressemitteilung-20201011.pdf



14.10.2020

In der Vollversammlung der Bischöfe in Fulda wurde die Neuregelung der „Zahlungen für die Anerkennung des Leids“ beschlossen.

Die wesentlichen Schwerpunkte sind:

1.    Die Anerkennungsleistungen werden auf Beträge zwischen 1000 € und 50.000 € begrenzt.

2.    Bisherige Anerkennungszahlungen werden angerechnet.  

3.    Anträge können ab Januar 2021 gestellt werden.

4.    Die Höhe der Anerkennung wird von einem unabhängigen 7-köpfigen Entscheidungsgremium aus Experten unterschiedlicher Fachrichtungen festgelegt.  Dieses Gremium wird bis Ende des Jahres von einem Auswahlgremium bestimmt.

5.    Diesem Auswahlgremium werden auch Betroffene angehören.

6.    Das Entscheidungsgremium wird vom Vorsitzenden der Bischofkonferenz berufen.

Weitere Details findet man unter:

https://www.dbk.de/de/themen/sexueller-missbrauch/informationen-fuer-betroffene/


Das Bistum Münster hat bekanntgegeben, dass es hier ein vereinfachtes Verfahren geben soll.

Schon im Oktober werden die Betroffenen angeschrieben und über Einzelheiten informiert.

https://www.kirche-und-leben.de/artikel/muenster-zahlt-nicht-aus-kirchensteuern-an-missbrauchsopfer


Anmerkung:

Offensichtlich ist es dem Bistum besonders wichtig, darauf zu hinzuweisen, dass diese Zahlungen aus dem Topf des Bischöflichen Stuhls erfolgen, dass der Bischöfliche Stuhl dafür eventuell sogar Kredite beim Bistum aufnehmen muss.

Nicht verwiesen wird aber darauf, dass die Untersuchungen der Historikerkommission (veranschlagt sind 1,3 Millionen Euro) offensichtlich vom Bistum, also von den Kirchensteuerzahlern finanziert werden. 

https://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2019/sep/Missbrauchsstudie_Bistum_Muenster.html


05.10.2020

Das reguläreTreffen im Oktober wird aus aktuellem Anlass um eine Woche verschoben.


31.08.2020

Seit dem 26.08.2020 gibt es den von der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) angekündigten Bericht zum Missbrauch in den Orden. Er ist unter dem folgenden Link einsehbar:

https://www.orden.de/aktuelles/meldung/?no_cache=1&tx_ignews_newsdetail%5Bnews%5D=4163&tx_ignews_newsdetail%5Baction%5D=show&tx_ignews_newsdetail%5Bcontroller%5D=News&cHash=8ca012df208cfed309665602098b8085

Der 11-seitige Bericht besteht im Wesentlichen aus einer statistischen Auswertung  eines Fragebogens, der den einzelnen Orden zugesandt wurde.

Da es nur eine statistische Auswertung gibt, ist aus dem Bericht nicht ersichtlich, welche Orden überhaupt Daten zurückgemeldet haben. Folglich bleibt auch unersichtlich, wie viele Opfer und Täter es bezogen auf die jeweiligen Orden gegeben hat. Niemand von den Betroffenen kann also nachprüfen, ob er /sie  zumindet theoretisch in den gemeldeten Opferzahlen erfasst ist.

Insbesondere die wenig wissenschaftliche Fundierung dieser Erhebung stößt vielfach auf Kritik.

Eine differenzierte Kritik zu diesem Bericht der DOK gibt es unter folgenden Link:

https://www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de/aktuelles-ab-01-05-2020/


 


17.08.2020

Es gibt einen neuen Flyer „Nulltoleranz, Unterstützung und Prävention“ des Bistums mit gravierenden inhaltlichen Änderungen zum ersten Flyer, der im Sommer 2019 veröffentlicht wurde.

Für Betroffene, aber nicht nur für sie, eine wichtige Lektüre. Der Flyer ist im Internet zu finden unter

https://www.bistum-muenster.de/fileadmin/user_upload/Website/Downloads/Rat-Hilfe/Ansprechpartner-sex-Missbrauch/2020-08-Broschuere-FAQ-sexueller-Missbrauch.pdf


Wie wichtig es ist, dass die Betroffenen von Missbrauch im kirchlichen Raum ihre Interessen selbst in die Hand nehmen, zeigt sich zum ein auch den Berichterstattungen zu den aktuellen Fällen in Münster.

Lügde, Bergisch-Gladbach und Münster

Es ist durchaus nachvollziehbar, dass örtliche und überregionale Medien den Missbrauchsfall in Münster-Kinderhaus zum zentralen Thema machen und teilweise sogar detailliert bis hin zum Abriss der Gartenlaube berichten. Selbst die Corona-Berichterstattung steht aktuell dahinter ein wenig zurück. Bemerkenswert ist aber auch, wie sehr die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft sich mit dem Thema auseinandersetzen. So gibt es Überlegungen, die aktuellen Fälle in Lügde, Bergisch-Gladbach und Münster zum Anlass zu nehmen, die Strafen für den Kindesmissbrauch selbst, aber auch für die Verbreitung von Kinderpornografie deutlich zu erhöhen. Auch wenn dadurch kein Missbrauchsfall verhindert wird, so hofft man doch, auf diesem Wege die Abschreckung zu erhöhen.


Der Beginn von Ehrlichkeit

Ganz anderes geht man mit dem Missbrauch in der Kirche um. Am Samstag, den 13.06.2020, gab es eine zentrale Veranstaltung in der Pauskirche in Frankfurt unter der Leitung von Bischof Bätzing, der zurzeit Vorsitzender der Bischofskonferenz ist. Obwohl die Veranstaltung bundesweit Beachtung fand, (u.a. Tagesschau, Heute-Journal, Frankfurter Allgemeine, Spiegel, Süddeutsche Zeitung), die Studie von Bischof Bätzing in der Pauskirche in Frankfurt an Martin Schmitz als Betroffenen und externen Mitarbeiter der Studie überreicht wurde, war dies am darauffolgenden Montag weder den Westfälischen Nachrichten, noch „Kirche und Leben“ eine Zeile wert.

Dagegen titelt die Frankfurter Allgemeine: „Ohrfeige für das „System Kirche““ und „Den Schweigepanzer aufgebrochen“ .

Bei www.katholisch.de heißt es unter anderem: „Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Der Beginn von Ehrlichkeit". Gemeinsam mit Ingeborg Schillai, der Präsidentin der Diözesanversammlung, überreichte Bätzing ein Exemplar des Abschlussberichts an Martin Schmitz als Vertreter der Betroffenen. Schillai betonte, die Ergebnisse der Studie "schreien danach, dass wir endlich wirksam gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche und gegen seine Vertuschung vorgehen".

Bei youtube kann man die Veranstaltung nachträglich ansehen.

Bemerkenswert sind aus Sicht von Betroffenen neben der Rede von Martin Schmitz vor allem auch die Reden von Herrn Bill (Jurist) und des 20-jährigen Opfers Lisa Scharnagel. Die Rede von Herrn Bill beeindruckt, weil er in seinem Beitrag neben dem Leid der Opfer auch die Verantwortung der Kirchenoberen hervorhebt. Lisa Scharnagel macht eindrucksvoll deutlich, wie sie ihre Ohnmacht als Opfer, aber auch die abwertenden Bemerkungen als Mitwirkende der Studie in diesem System wahrgenommen hat und wahrnimmt. Sie betont, wie wenig sich in den letzten 10 Jahren Missbrauchsskandal trotz aller Beteuerungen tatsächlich verändert hat.

Interessant ist auch ein Kommentar aus "Zeit online", in dem der Autor (Andreas Öhler) darauf aufmerksam macht, dass es den "Beginn der Ehrlichkeit" nicht geben kann. In seinem Kommentar fordert er dazu auf, definitiv die Namen der Täter zu nennen.

Quellen: