Selbsthilfe

Missbrauch Münster

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Mai 2021


05.05.2021
Heute haben Vertreter des Aktionsbündnisses der Betroffeneninitiativen dem Bundestag ihre Petition mit insgesamt 28830 Unterschriften in Berlin übergeben.



Auf dem Foto sieht man die religionspolitischen Sprecher  der CDU (Herr Gröhe), der FDP (Herr Strasser), der SPD (Herr Castellucci) und Bündnis 90/DIE GRÜNEN​ (Herr von Notz) sowie Herrn Katsch als Vertreter des Aktionsbündnisses bei der Übergabe der Akten vor dem Reichstagsgebäude.


Das zweite Foto zeigt die Vertreter_innen der verschiedenen Selbsthilfe- und Initiativgruppen, die sich aus diesem Anlass in Berlin zusammengefunden haben. Die Selbsthilfegruppen aus Rhede und Münster waren durch Martin Schmitz und Antonius Kock vertreten.


April 2021


11.04.2021
Zur Situation im Erzbistum Köln gibt es aktuell zwei weitere Stellungnahmen:
Die erste stammt von Professor Hermann Häring aus Tübingen mit dem Titel:
"Die Nebel einer unmoralischen Amtsführung".
Darüber hinaus gibt es in der Sendereihe "Doppelkopf" des Hessichen Runfunks ein aktuelles Interview mit Professor Großbölting zum Thema Missbrauch in der katholischen Kirche. Herr Großbölting leitet ja die Untersuchungskommission zur Aufarbeitung des Missbrauchgeschehens im Bistum Münster. Im Rahmen dieses Interviews äußert er sich auch zum Vorgehen im Erzbistum Köln.


März 2021


21.03.2021
Am 18.03.2021 wurde das zweite Gutachten zum Umgang mit dem Missbrauch im Bistum Köln vorgelegt .
Nachlesen  bzw. herunterladen kann man es unter  Kölner Gutachten
Eine kircheninterne Stimme dazu gibt unter: Stellungnahme Stadtdechant Bonn
Stellvertretend für journalistische Stellungnahmen sei hier auf ein Interview mit Frau Florin vom Deutschlandfunk verwiesen: Stellungnahme Deutschlandfunk sowie auf einen Beitrag von Annette Zoch in der Süddeutschen Zeitung.
Einen differenzierteren Beitrag, der auch theologische Hintergründe beleuchtet, gibt es beim NDR von Christoph Fleischmann.

Auch Betroffene des Bistums Münster und Rhede waren auf dem Domplatz in Köln im Aktionsbündnis der Betroffeneninitiativen vertreten und haben dabei für die aktuelle Petition der Initiative (s.u.) geworben.
Hier gibt es einige Eindrücke von Reaktionen auf die Bekanntgabe des Gutachtens.


Februar 2021


27.02.2021
Dass der sexuelle Missbrauch in vielen Fällen gerade nicht auf eine direkte Täter-Opfer-Beziehung reduzieren lässt, macht der Fall Weißenfels deutlich, auf den Frau Florin im Deutschlandfunk aktuell aufmerksam gemacht hat.
Dieser Fall zeigt einmal mehr, dass Beschuldigte / Täter sich in der Institution Kirche recht sicher aufgehoben fühlen können, Opfer dagegen mit den Folgen des Missbrauchs weitgehend allein gelassen werden.
Vorsicht, Triggergefahr!



23.02.2021
Als Betroffene werden wir in der Öffentlichkeit nur dann wahrgenommen, wenn wir nicht vereinzelt, sondern gemeinsam auftreten.
Die folgenden Gruppen haben sich im Vorfeld der aktuellen Bischofskonferenz zum Aktionsbündnis der Betroffeneninitiativen sexueller Missbrauch in der Kirche zusammengeschlossen:


21.02.2021
Der "Eckige Tisch" ruft gemeinsam mit verschiedenen Betroffeneninitiativen zu einer Unterschriftenaktion auf. Auch wir schließen uns dieser Aktion an. Erläuterungen zur Aktion und Hinweise zur Teilnahme gibt es unter folgendem Link:
Petition: Aufarbeitung, Hilfe und Entschädigung für die Opfer sexueller Gewalt in der Kirche! - Eckiger Tisch (eckiger-tisch.de)


Januar 2021


06.01.2021


Mitte Dezember haben die Selbsthilfegruppen in Rhede und Münster dem Bistum mitgeteilt, dass sie die Zusammenarbeit mit dem Bistum beenden werden. Die Einzelheiten dieser Kontroverse um die Betroffenenvertretung stehen auf der Seite "Betroffenenvertretung".
In der ersten Januarwoche haben wir uns an unterschiedliche Medien gewandt, um unsere Position auch in der Öffentlichkeit darzustellen.
Lokalzeit Münsterland vom 06.01.2021
Westfälische Nachrichten

Aktualisierung: Inzwischen haben wir uns dem  "Aufruf zur Betroffeneninitiative" angeschlossen. Nähere Informationen dazu finden Sie hier.


 

2020

 

Dezember 2020


07.12.2020


Trotz der Corona-Beschränkungen sind wir als Sprecher der Selbsthilfegruppen in Rhede und Münster weiterhin im schriftlichen und mündlichen Austausch mit den Interventionsbeauftragten des Bistums Münster.
Zentrale Themen sind dabei die konkreten Umsetzungen zur

  • Einladung für das erste gemeinsame Treffen der Betroffenen im kommenden Jahr (nach den Corona-Beschränkungen)
  • Umsetzung des neuen Antragsverfahrens zur Anerkennung des Leids.

Inzwischen gibt es im Internet auch die Rahmenbedingen zu den Antragsverfahren, die vom Ständigen Rat der Bischofskonferenz erarbeitet worden sind.


Auf großes Echo ist auch der erste Zwischenbericht der Historikerkommission um Herrn Großbölting getroffen,  der Anfang  Dezember in einer virtuellen Pressekonferenz vorgestellt wurde.
Die Aufmerksamkeit rührt wahrscheinlich auch daher, dass dort auch die Namen verantwortlicher Bischöfe (Höffner, Tenhumberg, Lettmann) öffentlich genannt wurden.

  • Lokalzeit Münsterland: Gutachten zum sexuellen Missbrauch im Bistum Münster

Aus aktuellem Anlass folgt hier auch noch der Link auf die Internetseite der Historikerkommission, auf der auch angemerkt ist, wie man sich als Betroffene(r) einbringen kann: LNNG II / Zeitgeschichte -  Aufarbeitung des Missbrauchs an Minderjährigen im Bistum Münster (uni-muenster.de)


November 2020


14.11.2020


Auf der Internets
eite von Kirche und Leben hat Herr Baumers, Assistent des Interventionsbeauftragten, darauf hingewiesen, dass es im Bistum Münster einen Betroffenenbeirat geben soll, der sich selbst konstituiert, dessen Vertreter nicht vom Bistum bestimmt werden.
Ein erstes Treffen wird es zu Beginn des Jahres 2020 geben, wenn (hoffentlich) die Corona-Bedingungen eine entsprechende Versammlung wieder zulassen.
Da nur das Bistum die Adressen aller Betroffenen kennt, wird das Bistum die entsprechenden Personen anschreiben. Die Versammlung selbst wird jedoch ohne Bistumsbeteiligung stattfinden, um zu gewährleisten, dass die Betroffenen unter sich bleiben und frei und unabhängig von kirchlichen Einflüssen ihre Vertreter bestimmen können.

https://www.kirche-und-leben.de/artikel/bistum-muenster-missbrauchsopfer-entscheiden-selbst-ueber-beteiligung
Wer Interesse hat, dieses erste Treffen gemeinsam mit uns vorzubereiten, kann das Kontaktformular nutzen, um entsprechende Ideen auszutauschen.


08.11.2020


Auf der Internetseite des Bistums gibt es einen Musterbrief des ersten Anschreibens an Betroffene zu den geplanten Anerkennungszahlungen, auf den wir zur allgemeinen Information kommentarlos verweisen:
https://www.bistum-muenster.de/fileadmin/user_upload/Website/Downloads/Aktuelles/Pressemitteilungen/2020/2020-11-03-Betroffene-Sexueller-Missbrauch-Brief.pdf


Oktober 2020


14.10.2020


Verwiesen sei auch auf das aktuelle Heft der Mitgliederzeitschrift "Forum Opferhilfe" des "Weißen Rings".
Im Themenschwerpunkt des Heftes berichten drei Betroffene aus dem Bistum Münster unter dem Titel "Das Schweigen der Gemeinden" ihre "Geschichten vom Schweigen, Reden und Kämpfen".
Es bleibt die Hoffnung, dass Leserinnen und Leser des Heftes annähernd nachvollziehen können, dass der sexuelle Missbrauch mit dem Ende der eigentlichen Taten für die Opfer nicht abgeschlossen ist, sondern diese Betroffenen ein Leben lang mit mehr oder weniger schweren Traumatisierungen begleitet. Ob diese lebenslangen Folgen mit den geplanten Zahlungen zur "Anerkennung des Leids" (s.u.) hinreichend abgegolten sind, mag jeder für sich entscheiden.
https://weisser-ring.de/system/files/domains/weisser_ring_dev/downloads/wer20004forumopferhilfe03200817web.pdf
Dass diese Ereignisse die damals Verantwortlichen im Bistum offensichtlich deutlich weniger belastet, für sie auch ohne Konsequenzen bleibt, macht insbesondere die Artikel in den Westfälischen Nachrichten und Kirche und Leben vom vergangenen Jahr deutlich.


12.10.2022

Am 8. und 9. Oktober 2020 gab es eine Tagung in Bonn zum Thema „Die Kirche und der sexuelle Missbrauch“ mit dem Titel „Katholische Dunkelräume“.
https://www.kfzg.de/

Auf die Tagung und ihre Referate wird auch aktuell immer wieder Bezug genommen, weil hier das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wurde. Die Referate sind weitgehend auch im Internet abrufbar. s: https://brill.com/view/title/60084?rskey=KuAS15&result=6

Für uns Betroffene aus dem Bistum waren vor allem die Beiträge von Frau Wijlens und den Wissenschaftlern aus der Forschungsgruppe von Herrn Großbölting von Interesse.
Frau Wijlens, die sich als Kirchenrechtlerin seit mehr als 35 Jahren mit dem Phänomen des Missbrauchs weltweit beschäftigt,  machte in ihrem Vortrag eindrucksvoll darauf aufmerksam, dass das Kirchenrecht nach wie vor den Missbrauch nicht als Verbrechen gegen die Menschenwürde von Kindern ahndet, sondern diese Taten als Vergehen gegen die Einhaltung des Zölibats ansieht. (Die einseitige Orientierung an den Tätern bzw. der Institution zeigt sich auch im Interview mit Herrn Thissen aus dem letzten Jahr).
Frau  Wijlens forderte eindringlich einen Perspektivwechsel in der Missbrauchsbekämpfung. Besonders betroffen machten ihre mehrfachen Hinweise auf engagierte Mitarbeiter in den verschiedenen Arbeitsgruppen, die einige Zeit später selbst als Missbrauchstäter bekannt wurden.


Herr Großbölting beklagte vor allem die Hindernisse, die es aktuell bei der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen gibt. Täter und Verantwortliche in den Bistümern wehren sich gegen die Veröffentlichung ihrer Namen, indem sie sich auf den Schutz des Persönlichkeitsrechts berufen (München, Limburg, Köln).
Darüber hinaus war für uns Betroffene aus dem Bistum Münster vor allem der Bericht über die Untersuchungen im Bistum Münster von Interesse, die an zwei Fallbeispielen verdeutlicht wurden.

Das dicht gedrängte Programm mit unterschiedlichen Schwerpunkten zeigte eindrucksvoll, dass sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche kein individuelles Geschehen ist, sondern vor allem auch systemische Ursachen hat. Zur Aufklärung des sexuellen Missbrauchs müssen also zwangläufig auch die hierarchischen bzw. machtpolitischen Strukturen in der Kirche sowie die unterschiedlichen Rechtssysteme (staatliches Recht / Kirchenrecht) betrachtet werden. Es müssen auch die Verantwortlichkeiten einbezogen werden, die sich aus den zahlreichen Versetzungen von (bereits bekannten) Tätern ergeben. Matthias Katsch sprach als Betroffenenvertreter von „organisierter Verantwortungslosigkeit“ in den Kirchenleitungen.
https://www.kfzg.de/fileadmin/user_upload/downloads/tg-katholische-dunkelraeume-pressemitteilung-20201011.pdf


14.10.2020
In der Vollversammlung der Bischöfe in Fulda wurde die Neuregelung der „Zahlungen für die Anerkennung des Leids“ beschlossen.
Die wesentlichen Schwerpunkte sind:
1.    Die Anerkennungsleistungen werden auf Beträge zwischen 1000 € und 50.000 € begrenzt.
2.    Bisherige Anerkennungszahlungen werden angerechnet.
3.    Anträge können ab Januar 2021 gestellt werden.
4.    Die Höhe der Anerkennung wird von einem unabhängigen 7-köpfigen Entscheidungsgremium aus Experten unterschiedlicher Fachrichtungen festgelegt.  Dieses Gremium wird bis Ende des Jahres von einem Auswahlgremium bestimmt.
5.    Diesem Auswahlgremium werden auch Betroffene angehören.
6.    Das Entscheidungsgremium wird vom Vorsitzenden der Bischofkonferenz berufen.
Weitere Details findet man unter:

https://www.dbk.de/de/themen/sexueller-missbrauch/informationen-fuer-betroffene/

Das Bistum Münster hat bekanntgegeben, dass es hier ein vereinfachtes Verfahren geben soll.
Schon im Oktober werden die Betroffenen angeschrieben und über Einzelheiten informiert.
https://www.kirche-und-leben.de/artikel/muenster-zahlt-nicht-aus-kirchensteuern-an-missbrauchsopfer


Anmerkung:
Offensichtlich ist es dem Bistum besonders wichtig, darauf zu hinzuweisen, dass diese Zahlungen aus dem Topf des Bischöflichen Stuhls erfolgen, dass der Bischöfliche Stuhl dafür eventuell sogar Kredite beim Bistum aufnehmen muss.
Nicht verwiesen wird aber darauf, dass die Untersuchungen der Historikerkommission (veranschlagt sind 1,3 Millionen Euro) offensichtlich vom Bistum, also von den Kirchensteuerzahlern finanziert werden.
https://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2019/sep/Missbrauchsstudie_Bistum_Muenster.html

September 2020


August 2020


31.08.2020
Seit dem 26.08.2020 gibt es den von der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) angekündigten Bericht zum Missbrauch in den Orden. Er ist hier einsehbar:

Der 11-seitige Bericht besteht im Wesentlichen aus einer statistischen Auswertung  eines Fragebogens, der den einzelnen Orden zugesandt wurde.
Da es lediglich eine statistische Auswertung gibt, ist aus dem Bericht nicht ersichtlich, welche Orden überhaupt Daten zurückgemeldet haben. Folglich bleibt auch unersichtlich, wie viele Opfer und Täter es bezogen auf die jeweiligen Orden gegeben hat. Niemand von den Betroffenen kann also nachprüfen, ob er /sie  zumindest theoretisch in den gemeldeten Opferzahlen erfasst ist.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, wieso überhaupt eine durch die Politik als gesellschaftlich relevante Organisation, die Täterorganisation ist, eine eigenständig organisierte Fragebogenaktion als Aufklärung bzw. Aufarbeitung bezeichnen kann, ohne die Staatsanwaltschaft auf den Plan zu rufen.

Auch die wenig wissenschaftliche Fundierung dieser Erhebung stößt vielfach auf Kritik.
Eine differenzierte Kritik zu diesem Bericht der DOK gibt es hier.


17.08.2020

Es gibt einen neuen Flyer „Nulltoleranz, Unterstützung und Prävention“ des Bistums mit gravierenden inhaltlichen Änderungen zum ersten Flyer, der im Sommer 2019 veröffentlicht wurde.

Für Betroffene, aber nicht nur für sie, eine wichtige Lektüre.

Wie wichtig es ist, dass die Betroffenen von Missbrauch im kirchlichen Raum ihre Interessen selbst in die Hand nehmen, zeigt sich auch in den Berichterstattungen zu den aktuellen nichtkirchlichen Fällen in Lügde, Bergisch-Gladbach und Münster:
Es ist durchaus nachvollziehbar, dass örtliche und überregionale Medien den Missbrauchsfall in Münster-Kinderhaus zum zentralen Thema machen und teilweise sogar detailliert bis hin zum Abriss der Gartenlaube berichten. Selbst die Corona-Berichterstattung steht aktuell dahinter ein wenig zurück. Bemerkenswert ist aber auch, wie sehr die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft sich mit dem Thema auseinandersetzen. So gibt es Überlegungen, die aktuellen Fälle in Lügde, Bergisch-Gladbach und Münster zum Anlass zu nehmen, die Strafen für den Kindesmissbrauch selbst, aber auch für die Verbreitung von Kinderpornografie deutlich zu erhöhen. Auch wenn dadurch kein Missbrauchsfall verhindert wird,  hofft man doch, auf diesem Wege die Abschreckung zu erhöhen.

Dagegen setzt die kathonische Kirche weiter vor allem darauf, nur das zu veröffentlichen und zuzugeben, was durch Betroffene oder Medien ohnehin der Öffentlichkeit präsentiert worden ist.


Juli 2020


Juni 2020


Vereinbarung zur Aufarbeitung des Missbrauchs
Ende Juni haben Bischof Ackermann und Herr Rörig vom UBSKM eine Vereinbarung unterschrieben, die Grundlage sein soll für die Gründung von Kommissionen in den einzelnen Bistümern. Die Kirche kommentiert diese Vereinbarung teilweise euphorisch:

Für den Kampf gegen den Missbrauch ist es ein Meilenstein“: Die katholischen Bischöfe haben eine Vereinbarung zur Aufarbeitung von Missbrauch verabschiedet. Damit nimmt die Kirche eine Vorreiterrolle ein.https://www.domradio.de/themen/sexueller-missbrauch/2020-04-28/vorreiterrolle-durch-unabhaengige-kommissionen-bischoefe-stimmen-vereinbarung-zur-aufarbeitung-von).
Es gibt aber auch kritische Töne, selbst aus den Reihen der Kirche. So hält Herr Klaus Mertes wenig von dieser Vereinbarung, weil die Untersuchungen ein weiteres Mal unter der Leitung der Bischöfe bzw. der DBK stattfinden. Eine wirkliche Unabhängigkeit der Untersuchungen sei folglich nicht möglich. Der Versuch der Deutschen Bischofskonferenz, die Missbrauchskrise umfassend aufzuarbeiten, ist gescheitert.“ ( https://www.herder.de/hk/kirche/die-bischofskonferenz-geht-den-falschen-weg-unabhaengige-aufarbeitung-gibt-es-bisher-nicht/)
Dass derartige Konstruktionen unter der Federführung der Bischöfe wenig Unabhängigkeit erlauben, vor allem die Betroffenen in ihrer Opferrolle belassen, haben wir ja schon auf unserem Kommentar zum Betroffenenbeirat angemerkt. Weitere Kritikpunkte aus der Sicht von Betroffenen kann man auch in der Stellungnahme der Betroffenenbeirats in Köln nachlesen:
https://www.erzbistum-koeln.de/news/Betroffenenbeirat-zur-Aufarbeitung-sexualisierter-Gewalt/
Welche Verwicklungen und Rollenkonfusionen solche Konstruktionen erzeugen können, erläutert Matthias Alexander Schmidt im aktuellen Wochenkommentar auf www.kath.de. Dabei bezieht er sich auf die Konstruktion des  Betroffenenbeirats ebenso wie auf die aktuelle Vereinbarung. Den wirklich lesenswerten Artikel mit dem Titel „Weder Täter noch Opfer sind unabhängig“ findet man unter https://kath.de/kommentar/2020-06-26-missbrauch-weder-taeter-noch-opfer-sind-unabhaengig
Die Ergebnisse solcher Aufarbeitungskommissionen geben wenig Hoffnung auf Konsequenzen für die Verantwortlichen in den jeweiligen Bistümern. Das kann man an den bisher abgeschlossenen Untersuchungsberichten erkennen:

  • Der Bericht in München (von Kardinal Marx in Auftrag gegeben) bleibt unter Verschluss.
  • Die groß angekündigte Pressekonferenz Anfang März in Köln zur Aufarbeitung der Missbrauchsvergangenheit im Erzbistum Köln ("wir nennen Ross und Reiter, auch die Verantwortlichen neuerer Zeit") wird kurzfristig abgesagt. Nach mehr als zweijähriger Arbeit bemerkt die beauftragte Anwaltskanzlei zwei Tage vor Veröffentlichung plötzlich, dass man die Namen von Tätern und Verantwortlichen nicht öffentlich nennen darf / kann(?).
  • Auch im Bistum Limburg hat die Veröffentlichung der Studie keinerlei Konsequenzen für die Verantwortlichen. Man bekennt sich nach 10 Jahren Missbrauchsskandal allerdings zum "Beginn von Ehrlichkeit". Da zieht man als Betroffener ehrfürchtig den Hut!

Wie  die aktuell tätigen Bischöfe mit kritischen Fragen zur eigenen Verantwortung umgehen, lässt sich auch am Beitrag des Deutschlandfunks von Anfang Mai erkennen, der unter dem Titel "Die Blockade der Bischöfe" am 05.05.2020 gesendet wurde. Dort findet man auch das Manuskript der Sendung.
In diesem Beitrag wird auch deutlich, mit welcher Vehemenz die verantwortlichen Kirchenoberen sich darum bemühen, die Verfahren zur Aufarbeitung des Missbrauchs weiterhin zu kontrollieren. Dennoch bezeichnen sie die geplanten Kommissionen irreführend als "unabhängig". Für kritische Fragen der Autorin standen die Verantwortlichen weitgehend nicht zur Verfügung.


13.06.2020

Übergabe der Studie zum Missbrauch im Bistum Limburg an Martin Schmitz

"Der Beginn der Ehrlichkeit"

Am Samstag, den 13.06.2020, gab es eine zentrale Veranstaltung in der Pauskirche in Frankfurt unter der Leitung von Bischof Bätzing, der zurzeit Vorsitzender der Bischofskonferenz ist. Obwohl die Veranstaltung bundesweit Beachtung fand, (u.a. Tagesschau, Heute-Journal, Frankfurter Allgemeine, Spiegel, Süddeutsche Zeitung), die Studie von Bischof Bätzing in der Pauskirche in Frankfurt an Martin Schmitz als Betroffenen und externen Mitarbeiter der Studie überreicht wurde, war dies am darauffolgenden Montag weder den Westfälischen Nachrichten, noch „Kirche und Leben“ eine Zeile wert.
Dagegen titelt die Frankfurter Allgemeine: „Ohrfeige für das „System Kirche““ und „Den Schweigepanzer aufgebrochen“ .
Bei www.katholisch.de heißt es unter anderem: „Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Der Beginn von Ehrlichkeit". Gemeinsam mit Ingeborg Schillai, der Präsidentin der Diözesanversammlung, überreichte Bätzing ein Exemplar des Abschlussberichts an Martin Schmitz als Vertreter der Betroffenen. Schillai betonte, die Ergebnisse der Studie "schreien danach, dass wir endlich wirksam gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche und gegen seine Vertuschung vorgehen".
Bei youtube kann man sich die Veranstaltung nachträglich ansehen.

Bemerkenswert sind aus Sicht von Betroffenen neben der Rede von Martin Schmitz vor allem auch die Reden von Herrn Bill (Jurist) und des 20-jährigen Opfers Lisa Scharnagel. Die Rede von Herrn Bill beeindruckt, weil er in seinem Beitrag neben dem Leid der Opfer auch die Verantwortung der Kirchenoberen hervorhebt. Lisa Scharnagel macht eindrucksvoll deutlich, wie sie ihre Ohnmacht als Opfer, aber auch die abwertenden Bemerkungen als Mitwirkende der Studie in diesem System wahrgenommen hat und wahrnimmt. Sie betont, wie wenig sich in den letzten 10 Jahren Missbrauchsskandal trotz aller Beteuerungen tatsächlich verändert hat.
Interessant ist auch ein Kommentar aus "Zeit online", in dem der Autor (Andreas Öhler) darauf aufmerksam macht, dass es den "Beginn der Ehrlichkeit" nicht geben kann. Ehrlichkeit könne kein sich entwickelnder Prozess sein, es gäbe sie nur vollständig oder gar nicht. In seinem Kommentar fordert er dazu auf, definitiv die Namen der Täter zu nennen.


Quellen:


 

2019

2018



rituelle Gealt

https://www.youtube.com/watch?v=K3JwZZ-p2IU