Selbsthilfe

Missbrauch Münster

Aufruf zur Betroffeneninnititative


Der Aufruf steht auf der Internetseite www.betroffenenbeteiligung.de.

In den Erläuterungen werden dort auch Fragen beantwortet, die sich aus Rückmeldungen und persönlichen Beratungen mit Betroffenen ergeben haben.


Anmerkungen

Sicherlich werden einige Betroffene sich verwundert die Augen gerieben haben, dass ausgerechnet die Sprecher der Selbsthilfegruppen aus Rhede und Münster den Aufruf zur Betroffeneninitiative unterschrieben haben. Sie sind sogar als Ansprechpartner genannt. Und das alles, obwohl sie zu Beginn des Jahres noch medienwirksam die Zusammenarbeit mit dem Bistum Münster aufgekündigt haben. Kann man also diesen Sprechern überhaupt noch vertrauen?

Dazu möchten wir Folgendes sagen:

Wir sind im Frühjahr von der Betroffeneninitiative angesprochen worden, ob wir uns beteiligen möchten. Der Gruppe war es ein Anliegen, die Betroffenen aus den Selbsthilfegruppen nicht von vornherein aus den Beratungen auszuschließen, zumal die Selbsthilfegruppe Rhede wesentlich dazu beigetragen hat, die Sicht von Betroffenen in der öffentlichen Diskussion zu stärken.

Wir haben bewusst darauf bestanden, diese Zusammenarbeit erst dann öffentlich zu machen, wenn sicher ist, dass unsere zentrale Anliegen auch im Aufruf berücksichtigt werden. Andernfalls hätten wir dem Aufruf nicht zugestimmt und uns auch nicht mehr einbinden lassen. Diese Forderungen waren und sind:

  •  Es werden alle Betroffenen, deren Adressen bekannt sind, persönlich angeschrieben.
  • Das erste Treffen der Missbrauchsopfer findet ohne Bistumsbeteiligung statt, sodass die Betroffenen dort vollkommen unabhängig von der Kirche eigenständig entscheiden können, wie es weiter gehen soll.
  • Der Tagungsort ist neutral, sodass auch traumatisierte Betroffene, die nichts mehr mit der Kirche zu tun haben möchten, problemlos daran teilnehmen können.

Diese Bedingungen wurden erfüllt. Daher konnten wir diesem Aufruf zustimmen und uns als Ansprechpartner aufstellen lassen.

Natürlich konnten wir uns nicht in allen Fragen durchsetzen. Das ist aber auch selbstverständlich, wenn Vertreter mit unterschiedlichen Zielen sich auf einen Kompromiss einigen müssen.

Unglücklich ist aus unserer Sicht allerdings, dass der allgemeine Aufruf über die Presse und die neuen Medien das Bistum in den Vordergrund stellt. Auch die Internetseite www.betroffenenbeteiligung.de ist für Außenstehende kaum erreichbar, wenn man nicht über Bistumsseiten geht. Und das, obwohl diese Informationsschiene sich insbesondere an die Betroffenen wendet, die mit der Kirche nichts mehr zu tun haben oder zu tun haben wollen.

Wir Vertreter der Selbsthilfegruppen haben auch nichts dagegen, dass Betroffene mit dem Bistum zusammenarbeiten. Es geht uns darum, dass Betroffene ihre Interessen selbst wahrnehmen, wo immer dies möglich ist. Bisher haben die Kirchen nicht nur die Verfahren der Aufarbeitung im Wesentlichen vorbestimmt, sondern auch durch die Vorgabe von Auswahlgremien starken Einfluss darauf genommen, durch wen und in welcher Form Missbrauchsopfer ihre Interessen wahrnehmen konnten und können. 

Betroffene sind keine Mündel, die Fürsprecher und Betreuer brauchen, sondern ehemalige Missbrauchsopfer, die in ihrer Eigenständigkeit und Selbstbestimmung gestärkt und unterstützt werden müssen. Nicht mehr und nicht weniger.

Martin Schmitz

Antonius Kock